Freitag, 1. März 2013

Wie nähe ich eine Paspel an bzw. ein

Mit Paspeln lassen sich tolle Effekte und Hingucker in Euren Werken erzielen.
Sie können große Flächen gliedern, Vorder- und Rückenteile voneinander abgrenzen, Taillierungen hervorheben, Ränder verzieren und wie in diesem Beispiel der Lenkertasche auch noch der Sicherheit dienen, indem eine reflektierende Paspel in das Modell eingearbeitet wird.
Das Modell ist übrigens aus meinem Buch "Komm mit raus".

Wenn Du Dich erst einmal mit Paspeln beschäftigt hast, wirst Du sehr schnell feststellen, wie vielseitig einsetzbar und wie wundervoll auf einmal ganz einfach Modelle aussehen können. 

Lenkertasche mit Reflexpaspel auf Deckelklappe und am Vorderteil


Offene Lenkertasche mit Stofftier-Sicherheitsgurt


Doch was ist eigentlich eine Paspel?


Eine Paspel ist ein schmaler leicht wulstiger Stoffstreifen, der zur Dekoration zwischen 2 Stofflagen mit einer Naht mitgefasst wird. Die Papsel besteht aus einem langen schmalen und längsgefalteten Stoffstreifen (meist ein Schrägband), der in seiner Bruchkante – also im Falz - eine Kordel führt. Damit diese nicht wieder rausrutscht, wird der Stoffstreifen mit einem sehr langen Stich gerade und schmal neben der Kordel abgesteppt.

Klingt zu kompliziert?

Kein Problem, denn Paspeln können auch fertig gekauft werden. Für dieses Tutorial verwende ich eine gekaufte Paspel. Es ist sogar eine Reflexpaspel.
Diese ist super, wenn man Dinge nähen möchte, die nachts beim Anstrahlen mit einer Lampe oder einem Scheinwerfer leuchten sollen. Sehr sinnvoll ist dies für Taschen, Jacken, Accessoires beim Radfahren oder Joggen – so wird man rechtzeitig im Straßenverkehr erkannt. 

Möchtest Du lieber Deine Paspel selber herstellen? 
Dann musst Du Dich leider noch etwas gedulden – das verrate ich in einem noch folgenden Tutorial. 

Aber wie nähe ich die Paspel denn am einfachsten fest? Was brauche ich dafür?

Da Paspeln, wie schon erwähnt, ja leicht wulstig sein können, empfiehlt es sich, das Reißverschlussfüsschen zu verwenden, um ganz entspannt neben dem Wulst und nahe an diesem entlang nähen zu können. Das Standardfüßchen ist hier leider zu breit und hat auf der Paspel keine Führung, da es nicht plan aufliegen kann.
Wenn Du das Reißverschlussfüßchen verwendest, kannst Du ganz dicht an der Paspel nähen, so als ob Du an den Zähnchen eines Reißverschlusses entlang nähst. 


Aufnähen der Paspel mit einem Reißverschlussfuß


Möchtest Du noch etwas mehr Führung und nähst auch gerne mal öfters unterschiedlich dicke Materialien zusammen, so kann sich die Anschaffung eines Paspelfüßchens rentieren. Dieses sieht so aus.


Paspelfüßchen


Auf einer Seite ist der Boden des Füßchens erhöht, so dass hier dickere Materialen mitgeführt werden können, zum anderen ist in der Mitte des Füßchens eine Art Brücke, in der wie hier die Paspel durchgeführt wird.

Detail Paspelfuß - unterschiedlich hohe Bodenebenen mit Tunnel

Durch das Versetzen bzw. leichte Verschieben der Nadel – wie hier - etwas nach rechts wird das Aufnähen der Paspel wirklich zum Kinderspiel. Die Paspel wird quasi automatisch im Tunnel der Füßchenbrücke durchgeführt und die Naht ist exakt neben der wulstigen Paspel. 



Paspel im Tunnel des Paspelfüßchens


Da die meisten Nähmaschinen einen Reißverschlussfuß im Standardsortiment haben, wirst auch Du wahrscheinlich erst einmal die Paspel mit dem Reißverschlussfuß aufnähen.
Egal mit welchem Fuß Du die Paspel aufnähst, beachte bitte die im Schnitt einkalkulierte Nahtzugabe. 
Das hier gezeigte Reflexband hat eine Gesamtbreite zur Paspelnaht (die Naht, die die Kordel zwischen dem Reflexstreifen festhält) von 1 cm und entspricht damit der Nahtzugabe. So muss ich nur darauf achten, dass die Paspelkante an der Schnittkante des Stoffteiles entlang läuft. 
Es kann aber auch sein, dass Euer Band breiter oder schmäler ist - hier müsst ihr Euch dann entsprechend an den Markierungen der Stichplatte orientieren. 

Wenn jetzt nun die Paspel auf einem Stoffstück aufgenäht ist, wie nähe ich denn nun das andere Stoffstück an?


Zweiten Stoff annähen - nähen auf der Fixierungsnaht


Auch hier gibt es einen ganz einfachen Trick. Lege die Stoffstücke rechts auf rechts aufeinander, so als ob Du keine Paspel in der Naht hättest und fixiere die Stofflagen mit Stecknadeln oder Foldbackklammern. Dann legst Du die zu nähenden Stoffe so unter Dein Füßchen, dass die eben genähte "Paspel-Fixierungs-Hilfsnaht" oben liegt. Das bedeutet, das Stoffteil mit der aufgenähten Paspel liegt oben. Die Paspel liegt dann links von Deinem Reißverschluss - bzw. im Tunnel Deines Paspelfüßchens. Du nähst jetzt exakt auf der eben genähten Naht und schon ist Deine Paspel in die Naht eingefasst, ohne dass die erste Naht von außen sichtbar wird und ohne, dass etwas unschön verschoben festgenäht wird.

Und was mache ich bei Rundungen?

Bei Rundungen funktioniert das Einnähen der Paspel genau so wie bei geraden Strecken. Da die Paspeln meist mit einem Schrägband gefertigt werden, lassen sie sich oft ganz einfach an die Rundung anpassen und schön "in die Kurve" legen. Sollte die Rundung aber hierfür zu eng sein, so schneidest Du einfach in das Band der Paspel ein paar kleine Schnitte (max. bis zur Hilfsnaht). So kann sich das Band entsprechend der Rundung ausdehnen und Du nähst ganz einfach weiter.  

 
Paspel einschneiden für das Aufnähen in einer Rundung


Wenn Du dann die zweite Stofflage aufnähen möchtest, dann ist die Paspel ja bereits in der Rundung entsprechend des Schnittes fixiert. Du brauchst jetzt im wesentlichen nur darauf zu achten, dass Du wieder auf der Naht von eben nähst. 
 
Solltest Du eine wirklich enge Rundung haben, so kann es sein, dass sich die Paspel nach innen wölbt - hier musst Du natürlich die Paspel immer wieder nach außen legen. 
Wie funktioniert das? Nähe ein paar Stiche, lasse die Nadel im Stoff stecken, hebe das Füßchen, drücke die Paspel an ihren Platz, senke wieder das Füßchen und nähe ein paar weitere Stiche. Nähe so weiter, bis Du aus der "gefährlichen Kurve" raus bist.


Und wie sieht es mit Ecken aus?

Paspeln "um die Ecke" legen ist fast einfacher als schön in einer Rundung zu nähen.
Hier funktioniert es im Prinzip genauso, nur dass Du einen einzigen Einschnitt im Band vor der Ecke brauchst (s. Blogeintrag: Wie näht man Ecken).
Nähst Du mit einer Nahtzugabe von 1cm, so schneidest Du die Paspel 1cm vor der Ecke ein, legst sie um 90° (bei geradem Winkel, sonst natürlich entsprechend des Winkels der Ecke) um die Ecke und nähst weiter.

Möchtest Du zum Beispiel an einem Quadrat nur eine Kante mit Paspel verzieren, so nähst Du diese an Deine gewünschte Kante über die komplette Länge auf wie oben beschrieben auf. Nähst Du dann ein gerades Band (Seitenteil bei Tasche oder Bodensitzkissen o.ä.) an das Quadrat, dann  liegt das Band auch rechts auf rechts unter dem Quadrat. An den Ecken wird dann lediglich das Band eingeschnitten, um das Quadrat entsprechend knubbelfrei drehen zu können.
Die Paspel bleibt gerade und verläuft sich mit der Nahtzugabe ins Innere des Teiles.






Nun denke ich, ist das Prinzip des Paspel-Nähens etwas klarer geworden.

Wie eine Paspel hergestellt wird, verrate ich dann später...

Nun wünsche ich wieder viel Spass beim Ausprobieren und Nachnähen und sage tschüss bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüße
Carmen



 

 


























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